Gibt es wissenschaftliche Daten zur Nahrungskonkurrenz unter Bienen und werden Wildbienen weniger, weil die Honigbienen Nahrung wegsammeln?

Konkurrenz ist ein integraler ökologischer Mechanismus zur Erklärung der ökologischen Einnischung von Arten und somit wertfrei zu betrachten. Es gibt eine zunehmende Anzahl von Untersuchungen, welche sich mit dem Thema „Nahrungswettbewerb zwischen verschiedenen Bienenarten“ befassen. Völlig eindeutige Ergebnisse liegen bis heute noch nicht vor. Unterschiedliche Trends, die fallspezifische Nahrungskonkurrenz zwischen Honigbienen und verschiedenen Wildbienenarten zeigen, wurden jedoch aufgezeigt. Jedenfalls begünstigen Landschaften mit nur geringem Blütenangebot und verschlechterter Lebensraumqualität die Konkurrenz unter Blütenbesuchern um Pollen und Nektar.

Die Honigbiene ist in der Lage, große Blütenbestände schnell und umfassend zu nutzen. Ob diese Fähigkeit dazu führt, dass der Fortpflanzungserfolg anderer Bienenarten sinkt, hängt von mehreren Faktoren ab: 

1. Wie umfangreich und divers das Blütenangebot in einem Landschaftsausschnitt ist und wie viele Bienen es nutzen 

2. Ob allgemein dieselben Pflanzenarten genutzt werden oder, innerhalb einer überlappenden Nahrungsnische, eventuell sogar ausschließlich eine einzige Pflanzenart 

und 

3. Welche anderen Blütenpflanzen zur Verfügung stehen, auf die ausgewichen werden kann.

Der Nachweis, wie stark sich Nahrungswettbewerb auswirkt, ist schwierig, weil er über den Reproduktionserfolg gemessen werden muss. Der alleinige Rückgang einer Bienenart, bei gleichzeitig hohem Bestand an Honigbienen, ist ein Indiz, aber kein Beweis, da es noch andere Einflussfaktoren zu beachten gilt. Es gibt wissenschaftliche Beobachtungen, dass Honigbienen starke Konkurrenz ausüben können, wenn nur eine oder wenige Ressourcenquellen zur Verfügung stehen. So steigern Landschaften mit geringem Nahrungsangebot, vor allem während Jahreszeiten ohne Massentrachten, die interspezifische Konkurrenz. 

Außerdem ist bei der Bewertung der Relevanz von Studien das Studienumfeld (die geografische Lage) und das Forschungsdesign (die Methode) wesentlich. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob hunderte Bienenvölker und andere blütenbesuchende Insekten um den Nektar des massenhaft blühenden Rosmarin in der Provence konkurrieren, oder ob wir die Situation in unseren Breiten zu bewerten haben, wo solche Auswüchse nicht gegeben sind. Hinzu kommt, dass die in Australien, Neuseeland oder dem amerikanischen Kontinent nicht autochthone (einheimische) westliche Honigbiene hinsichtlich negativer Auswirkungen durch Konkurrenz ganz anders zu beurteilen ist, als dies z. B. im europäischen Kontext der Fall ist. Hier stand die Honigbiene Jahrmillionen in Koexistenz mit der regionalen Flora und Fauna. Die Ursache für den Rückgang der Insekten und damit auch der Wildbienen sind multifaktoriell und sicher nicht nur auf vermehrtes Auftreten von Bienenvölkern zurückzuführen. 

Quellen / Weiterführende Informationen
  • Wojcik et al. (2018): Floral Resource Competition between Honey Bees and Wild Bees: Is There Clear Evidence and Can We Guide Management and Conservation? Environmental Entomology 47 (4): 822-833. https://doi.org/10.1093/ee/nvy077
  • Mallinger R. et al. (2017): Do managed bees have negative effects on wild bees?: A systematic review of the literature. PLos ONE 12(12): e0189268. https://doi.org/ 10.1371/journal.pone.0189268
  • Henry M. & Rodet G (2018): Controlling the impact of the managed honeybee on wild bees in protected areas. Scientific Reports 8: 9308. https://doi.org/10.1038/s41598-018-27591-y

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Comments (1)

Wichtig das dieses Thema angefasst wird … es ist selbstverständlich nicht im Interesse der Imkerschaft die Honigbienen über die Wildbienen zu stellen sondern eine Aufstellung nur so zu gestalten das alle etwas von den Blüten haben leben von und mit der Natur

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